Beim Zahnarzt

Mein Intercambio hatte Geburtstag und mich mit zum essen eingeladen, was echt ganz nett war. Gruppe fröhlicher Spanier, in deren Gesellschaft ich merkte wie wenig Spanischkenntnisse ich doch hab. Wieso, die auch immer so schnell reden müssen?! Noch schlimmer war aber eigentlich, dass ich mir bei dem essen ein Stück Backenzahn ausgebissen hatte. Was für ein Mist. Bin ich kaum einen Monat hier und schon sowas. Und das obwohl ich doch alle Vorkehrungen getroffen hatte und vorher eine Generaluntersuchung in Deutschland hatte. Zum Glück schmerzte es nicht aber ich wollte ihn trotzdem behandeln lassen. Von einem Arbeitskollegen ließ ich mir eine deutsche Zahnärztin empfehlen, die wohl sehr “günstig” sein sollte. Ich hätte mich schon beim Betreten ihrer Luxuspraxis wundern sollen, aber der Kostenvoranschlag von 800 Euro bestätigte es dann. Ich sagte, dass ich es mir überlegen würde. Mist! Das ist ein ganzer Monatslohn. Das konnt ich mir echt nicht leisten. Das Problem hier ist nämlich, dass die Ärzte in der Regel mit keinerlei Versicherungen zusammenarbeiten.Eine Alternative wäre auf Schmerzen zu waren und dann zur Notfallbehandlung ins Krankenhaus zu gehen, bei der sie mir womöglich den Zahn ziehen würden. Darauf hatte ich keine Lust. Ich war verzweifelt.Ein spanischer Kollege riet mir doch noch mal zu einem spanischen Zahnarzt zu gehen. Na was hatte ich schon zu verlieren. Zum Glück begleitete er mich zur Dental Klinik.

Vital Dent – Die Hoffnung?

Meines Empfindens nach klang das schon wieder sehr teuer und roch nicht nur nach dem üblichen Zahnarztbesuch. Und in der Tat war es viel mehr als die mir bekannten Zahnärzte. Die Dentalklinik legte schonmal sehr viel Wert auf ihr äußeres Erscheinungsbild, das der Argentinier einfach mit Marketing umschrieb. Man konnte dies schonmal an dem corporate Design sehen, dass die blaue und grüne Farbe der Außenbeleuchtung auch drinnen wiederspiegelte. Außerdem gab es eine Menge Angestellter die alle die gleiche weiß blaue Tracht trugen. Ich war mir nicht sicher, aber konnte eigentlich nur zwei behandelndene Zahnärztinnen ausmachen aber sah dafür 6 weitere Angestellte, deren Funktion mir bis zum Ende der Behandlung verborgen blieb.

Doch bevor ich überhaupt in das Behandlungszimmer gebeten wurde, durfte ich in einem extra Sprechzimmer mit einer der Frauen Platz nehmen. Diese stellte mir in spanischer Sprache Fragen zu meinem bisherigen dentalen Werdegang: Ob ich Allergien hätte, was für Probelme, wie oft ich mir die Zähne putze und so weiter. Das ich mir zwei mal pro Tag die Zähne putze schien sie zu verwundern. Brachte dies aber mit meiner deutschen Herkunft in Zusammenhang. Das erinnert mich gleich an eine Fernsehwerbung, die ich neulich hier im Fernsehen gesehen habe und die dazu aufrief, dass sich die Leute die Zähne putzen sollten.

Ab zum Röntgen

Nach dem Interview bat mich die Assistentin in einen anderen Raum mit Röntgengerät. Ich war erstaunt, dass noch vor einer Visite und meiner Entscheidung für den Arzt meine Zähne geröngt werden sollten. Sofort dachte ich an womögliche Kosten und fragte nach. Die Assitentin wurde daraufhin ärgerlich und fragte mich was mir denn mehr Sorgen bereitet. Mein Zahn oder mein Geldbeutel? Ich ersparte mir eine Erklärung und folgte ihr zu dem Röntgengerät. In Deutschland hatte ich mir schon desöfteren die Zähne röntgen lassen. Das sah meist so aus, dass ich mir ein blättchen in den mund schob und der röntgenapparat auf diese Stelle gerichtet wurde. Hier aber wurde ich jetzt mit modernster Technologie konfrontiert. Inmitten einer kreisförmigen und verspiegelten Röntgenapparatur befand sich ein dildoähnliches Gebilde, dass auch noch mit einer Art Kondom ummantelt war. Die Frau gab mir zu verstehen, dass ich herantreten solle und diese Vorrichtung an meinen Mund heranführen sollte. Ich fand das sehr ungewöhnlich, da ich mich selbst noch dazu im Spiegel beobachten durfte und überlegte noch wie das überhaupt funktionieren solle. Die Frau faselte nun irgendwas von zubeißen. Nur wusste ich nicht genau ob ich dazu das Gebilde im Mund nehmen solle oder nur bis zu den Vorderzähnen. Die Assistentin wurde ärgerlich. Im schroffen Ton sagte sie mir nun, dass das nicht funktionieren würde, wenn ich hier ihre Sprache nicht verstehe. So geht das nicht. Ich hätte gern geantwortet, dass es eher an der Komplexität dieses Gerätes lag. Aber mit einem Dildo im Mund kann man schlecht sprechen und mir fehlten einfach die Worte. Irgendwie schien ich es dann doch noch richtig gemacht zu haben und die Aufnahme war fertig.

Ich wurde wieder ins Wartezimmer gebeten. Die Assistentin hatte nun all die anderen Assistentinnen in der Dentalklinik darüber informiert, dass ich eine Ausländerin bin und ich nichts verstehen würde. Daraufhin vesuchten drei der Schwestern auf mich einzureden. Sie sprachen nun plötzlich in ganz lautem Ton mit mir, als wenn ich taub wäre. Sie sagten mir, dass man mich doch so nicht behandeln könne, wenn ich nichts verstehe und sie fragten mich ob ich denn nicht gleich meinen spanischsprechenden Freund herzitieren könne, der alles für mich übersetzt. Ich war entsetzt über soviel Ungeduld und sagte ihnen, dass wenn sie ein Problem hätten sie mir das sagen können und wenn ich ein Wort nicht verstehen würde, ich auch ein Wörterbuch mithätte. Die Assistentinnen lächelten mich mitleidig an und schienen zu verstehen dass es sich bei mir um einen hoffnunglosen Fall handelt.