Fruteria: Obst und Gemüse in Barcelona

Apfel

In dem kleinen Obst- und Gemüseladen drängen sich die Leute. Die Besitzer sind ein dickes, bebrilltes Ehepaar, schätzungsweise Mitte Dreißig, die Jogginghose und Pulli tragen. Ihre Hände sind etwas schmutzig und derb vom Gemüsehandel geprägt. Dennoch tippen sie flink alle Preise in die Waage ein und spiegeln so die katalanischen Geschäftigkeit wieder. Ihr Laden ist kaum größer als mein Wohnzimmer in Deutschland und vollgestopft mit frischem Obst und Gemüse. Selbst in der Mitte, der schlauchförmigen Tienda stehen Waren, so dass sich zu beiden Seiten hin jeweils zwei Riesige Menschenschlangen bildete. Zur Vermeidung klaustrophobyscher Anfälle sind die Wände des Gemüseladens mit Spiegeln verkleidet. Um jedoch von den Äpfeln zu den den Zwiebeln zu gelangen muss ich mich an den anderen Kunden vorbei pressen. Und obwohl es so eng ist scheint das diese älteren Herrschaften nicht im geringsten zu stören und jeder von ihnen hat es sogar geschafft noch eine riesige karierte Rolltasche in den Laden reinzuqetschen wo sie später ihre Einkäufe beherbergen werden. Über die Köpfe der wartenden Menschen hinweg werden große blaue Plastikkörbe gereicht, die für die Einkäufe genommen werden und die am Ende jedes Einkaufs von Hand zu Hand wieder an den Eingang des Ladens gelangen.

Der Laden befindet sich im Stadteil Sagrera, in dem viele Zugezogene Spanier aus Andalusien wohnen. Daher wird hier auch hauptsächlich in Spanisch und nicht in Katalan gesprochen und auch die Produkte sind in Spanisch geschrieben. Ich will mir die Wartezeit verkürzen, in dem ich versuche mir die Namen des pfeilgebotenen Obst und Gemüses einzuprägen. Meine Lerneinheit wird jedoch sofort wieder unterbrochen, als mich eine Frau von hinten antippt und fragt „el ultimo?“ Nach einer kurzen Denkpause fällt mir ein das sie mich fragt ob ich die Letzte in der Schlange bin. Ich nicke heftig und sag: „Sí“. Dann beginnt sie mir zu erklären, dass sie jetzt die letzte sei und sich jetzt erstmal durchwühlt auf den Weg zu ihren Bananen, Mandarinen und Paprikas… Gleich darauf dreht sich der ältere Mann vor mir um und versucht ein Gespräch mit mir zu beginnen. Ich wollte ihm sagen, dass ich nicht so gut spansich spreche, als er gleich vermutet, dass ich aus der Ukraine komme. Ich bekam jedoch nochmal die Gelegenheit ihn zu korrigieren. Als er hörte das ich aus Deutschland kam erzählte er mir auch gleich, dass er da schonmal gewesen ist und … den rest verstand ich leider nichtmehr. Ich nickte nur und lächelte freundlich. Als ich endlich vorn bei der Kassirerin angekommen bin, gab ich der Verkäuferin meine verschiedenen Tüten mit Bananen, Äpfeln, Zwiebeln, Paprika und Gurken in die Hand, die sie alle nacheinander wog und in eine große Tüte packte. „Uno treintayquatro“ 1,43? Nee ich glaub ich hab mich verhört. Ich schaute nochmal auf die Anzeige der Waage. Doch tatsächlich. Da stand es auch. 3,43. Ich war total überrascht für diese Menge nur so wenig zu bezahlen. Ich gab ihr mein Geld, nahm meine Tüte und drängte mich an den wartenden Leuten hinter mir zurück ins Freie. Ich war zufrieden. Dafür hat sich das doch gelohnt.