Kinder haben in Barcelona

Die Menschen hier in Barcelona sind sehr kinderlieb. Das jedenfalls ist mein Eindruck, wenn ältere oder auch jüngere Leute in den Kinderwagen von meinem Baby schauen, zulächeln und ein Gespräch mit ihr beginnen. Nicht kinderfreundlich ist jedoch das System, in dem sie leben. Das spiegelt sich auch darin wieder, dass das Durchschnittsalter des erstgeborenen Kindes in Katalonien bei 30,5 Jahren liegt. Die wirtschafltiche Krise in Spanien hat viele soziale Einschnitte gebracht. So gab es bis Ende 2010 noch eine einmalige Unterstützung von 2500 Euro pro Kind, die Ende letzten Jahres gestrichen wurde. Eine mit dem deutschen Kindergeld vergleichbare Zahlung der Generalidad in Höhe von 60 Euro pro Monat wird ab Juli diesen Jahres eingestellt werden und über Kürzungen in öffentlichen Kindergärten wird auch schon diskutiert. Was bleibt, wird wohl erstmal eine steuerliche Vergünstigung für arbeitende Frauen sein. Immerhin haben diese die Möglichkeit 4 Monate nach der Geburt zu Hause zu bleiben und ihr volles Gehalt zu beziehen. Da es danach keine finanziellen Hilfen vom Staat mehr gibt und bei der hohen Arbeitslosigkeit viele um ihren Job bangen, kehren die meisten Frauen tatsächlich 4 Monate nach der Geburt wieder in ihre berufliche Tätigkeit zurück.

Danach einen Kindergartenplatz zu bekommen, ist jedoch genauso schwierig wie in Deutschland (wobei das Auswahlverfahren hier etwas anders abläuft). Es gibt öffentliche und private Einrichtungen, die sich vorallem erheblich im Preis unterscheiden. Für öffentliche Kindergärten bezahlt man bei der Ganztagsunterbringung ca. 270 Euro/Monat während man bei privaten locker das doppelte bezahlt. Durch das multikulturelle Ambiente in Barcelona sind viele Eltern auf der Suche nach der geeigneten Sprache. In öffentlichen Kindergärten wird nämlich nur Katalan gesprochen, während es private Einrichtungen gibt, in denen andere Sprachen bzw. mehrere Sprachen gesprochen werden. So gibt es die verschiedensten Variationen über katalan-deutsche Einrichtungen bis hin zu dreisprachigen guarderias [span. Kindergarten] in englisch-spanisch-katalanisch. Die öffentlichen escolas bressoles [katal. Kindergärten] haben nur sehr wenige Plätze anzubieten, zu denen man sich jeweils im Mai mit dem geborenen Kind für September des gleichen Jahres bewerben kann. Das Auswahlverfahren besteht aus einem Punktekatalog und einer anschließenden Verlosung. Wer hier einen Platz bekommt hat quasi schon den Hauptgewinn. Für alle anderen bleiben noch die privaten Einrichtungen. Diese nehmen Kinder aber meist erst mit mindestens 1 Jahr auf, so dass arbeitende Frauen hier in der Regel auf ein kanguro zurückgreifen müssen. Aber keine Angst, es sind nicht wirkliche die australischen Hüpftiere zu denen die Kinder gehen müssen. Kangoraoo heißt im spanischen einfach nur Babysitter.

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